Nachruf Hans Szabo

 

Heute ist ein trauriger Tag.

Es fällt schwer es zu begreifen und damit umzugehen. Aber selbst das war unserem lieben Hans am Ende noch sehr wichtig.

Mein Name ist Timo Szabo. Ich bin der Neffe von Hans. Seit mehreren Jahren leite ich die Geschäfte in unserem kleinen Familienunternehmen. Familie und Geschäft gingen in meinem Verhältnis zu Hans nahtlos ineinander über.

Seit ich Hans in meiner Kindheit kennengelernt habe, wuchs in mir eine große Sympathie für ihn. Ich erfreute mich sehr an seinem Witz, seiner Art zu Lachen, seinem Familiensinn, seiner Leidenschaft für seine Arbeit, den Fußball und die Musik. Ein Teil in mir eiferte ihm geradezu nach.

Ich genoss es, wenn er mich zu seinen Fußballspielen mit dem SC Viktoria Wertheim mitnahm, ich mit ihm zusammen bereits als Jugendlicher Lehrgänge bei Toyota besuchen konnte oder ich mit ihm zusammen mit dem Fahrrad nach Mosbach zu meiner Tante fuhr.

Unser Familienunternehmen wurde im Jahr 1977 gegründet. Von Anfang an arbeitete Hans neben meiner Mutter und meinem Vater in diesem Unternehmen. Er machte seine Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker, besuchte zahlreiche Lehrgänge von Toyota und entwickelte sich Jahr um Jahr zu einem Mitarbeiter, ohne den das Unternehmen wohl irgendwann keine Zukunft mehr gehabt hätte.

Er übernahm mehr und mehr die Tagesabläufe in der Werkstatt, kümmerte sich um das Ersatzteilwesen und bediente die Kunden. Auch wenn es mal nicht reibungslos ablief, war er stets da und hielt im Geschäft alles zusammen.

Bei Kunden war Hans grundsätzlich über ein normales Geschäftsverhältnis hinaus beliebt.

Von sich aus war Hans immer ein netter Mensch, der niemandem etwas Böses wollte. Galt es aber, die Familien- oder Unternehmensehre hoch zu halten, konnte er auch mal zu einem aufgebrachten Löwen werden.

Das Ziel seiner Arbeit war immer erst das Ergebnis oder das Wohlergehen seiner Kunden. Seinen Nutzen stellte er immer hinten an.

Wenn ein Arbeitstag nicht genügend Stunden hatte, war er oft schon lange vor dem Morgengrauen im Unternehmen anzutreffen.

Als ich vor etwas mehr als 10 Jahren in das Unternehmen zurückkehrte, rollten wir die ganzen Unternehmensabläufe neu auf. Das war und ist in der Sache nicht immer ganz einfach, aber am Ende von einem starken, familiären Zusammenhalt geprägt.

Dass ich mich mit meinen in der Ferne gemachten Erfahrungen im heimischen Unternehmen so "austoben" konnte, war schlussendlich der unendlichen Kompromissbereitschaft von Hans zu verdanken.

Hans verschwendete wenig Gedanken mit der Vergangenheit. Auch wenn sich Gewohnheiten manchmal einfach durchsetzen, war er stets bis zuletzt – mit Kopf und Tat in die Zukunft ausgerichtet.

Er nahm immer aktiv am Fortschritt teil.

Es zählte grundsätzlich die Aufgabe.

Er hat nie lamentiert, er hat immer gemacht.

Er bot sich immer an.

Persönlicher Beifall war ihm nie wichtig.

Mit seinen Kollegen, Mitarbeitern und Auszubildenden hatte er stets einen herzlichen Umgang. Wenn mal die Fetzen geflogen sind, war dies kurz darauf wieder vergessen. Manchmal änderte sich dadurch auch nichts und dann sind die Fetzen eben wieder geflogen.

Eine Spezialität von Hans war sein Witz, seine Ruhe dabei und die Überlegenheit in der Situation. Die Überlegenheit war ihm dabei nicht wichtig. Vielmehr sprach er einfach aus, was viele nur dachten …was er durchaus genießen konnte.

Er schaffte es zur denkbar ungünstigsten Zeit in völliger Ruhe – einen Witz zu machen, ohne dass ihm das jemand – nicht mal der Betroffene – übelnahm. Das konnte eine Geste, ein Wort, ein Satz, vielleicht auch nur ein Geräusch oder eine Handlung sein.

Die Folge war ein gemeinsames Schmunzeln, bis hin zu schallendem Gelächter. So löste er häufig Konflikte oder Probleme und holte sie damit auf den Sinn des „einfachen Lebens“ zurück.

Gerne spielte er auch seinen Kollegen oder Freunden einen Streich. Allen, die an Gott glauben, sei an dieser Stelle gesagt, dass ihn Hans zur aktuellen Minute bereits mindestens einmal auf die Schippe genommen hat.

Seit ich meinen Onkel kenne, weiß ich, dass man Humor auch riechen kann. Diesen Geruch und vieles andere werde ich sehr vermissen. Alle seine Kollegen werden ihn sehr vermissen und ihn immer in bester Erinnerung halten.

Schlussendlich hat sich zu dem, was Hans in unserem Unternehmen vorgelebt hat, nichts geändert. Wir haben in den letzten Jahren nur die Abläufe geordnet, mit etwas Hintergrundwissen ausgekleidet und mit einer entsprechenden Anzahl von lieben Mitarbeitern unterstützt.

Die Unternehmens-DNA, die Hans indiziert hat und die für den Erfolg unseres kleinen Familienunternehmens steht, hat sich bis heute nie geändert. Dies gilt es, in unserem Unternehmen in Ehren zu halten. Dies unterscheidet Mensch von System.

Lieber Hans, ich hoffe sehr, dass wir dieser Verantwortung gerecht werden.

Lieber Hans, vielen Dank für alles.